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Projekt Jüdisches Leben

Am Montag, dem 1. Juni, war Monique Rothschild als Z(w)eitzeugin in der Jahrgangsstufe 12 zu Besuch, um an die Ausgrenzung, Verfolgung, Flucht und Ermordung der jüdischen Bevölkerung in der Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem „Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt am Main“ unter der Leitung von Angelika Rieber statt. Der Ausdruck „Z(w)eitzeugen“ bezeichnet hierbei Personen, die als enge Angehörige oder Freunde von Holocaust-Überlebenden über deren Erlebnisse während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft berichten.

Frau Rothschild erzählte, gestützt durch Fotografien, vor Schülerinnen und Schülern der Geschichts-Kurse aus dem Leben ihrer Eltern. Ihr Vater Ernst Leonhard Rothschild wurde 1896 in Frankfurt geboren. Er diente als Soldat im Ersten Weltkrieg, studierte an der Goethe-Universität und arbeitete anschließend als Journalist, unter anderem für die Frankfurter Zeitung. 1933 flüchtete er nach Frankreich, wo ihn die deutschen Besatzungsbehörden nach dem Westfeldzug der Wehrmacht in mehreren Lagern internierten. Im Jahre 1941 gelang ihm über Vichy-Frankreich und Spanien die Flucht in die Vereinigten Staaten.

Die Mutter von Monique Rothschild, Hildegard Freundlich, wurde 1913 in Hamburg geboren, wo sie Ernst Rothschild kennenlernte. Zusammen mit ihm flüchtete sie 1933 nach Frankreich, wo im November 1940 die gemeinsame Tochter in Paris auf die Welt kam. In einer abenteuerlichen Flucht ihr kleines Kind über die Pyrenäen tragend, erreichten beide Eltern an der spanischen Küste ein Schiff, das sie nach New York brachte. Die Familie zog anschließend nach Cincinnati (Ohio) weiter, das zu ihrer neuen Heimat geworden ist.

Seit der Ankunft in den USA wurde über Frankfurt – die alte Heimat – nie mehr gesprochen, sodass Monique Rothschild erst Jahrzehnte nach dem Tod ihrer Eltern mit den Recherchen zu ihrer Familiengeschichte auf der Basis von Fotografien und Briefen begann. Unterstützung erfuhr und erfährt sie dabei von der Historikerin Maggie Zakri, die sie auch auf der Reise nach Deutschland begleitete. Ihre Familiengeschichte und Lebenserinnerungen veröffentlichte Monique Rothschild im Jahre 2025 unter dem Titel „Stateless. Monique Rothschild“.

Der Vortrag unserer Besucherin war eine wertvolle Gelegenheit, Geschichte lebendig und persönlich zu erleben. Die Schülerinnen und Schüler konnten somit aus erster Hand erfahren, was Verfolgung, Flucht und Neuanfang für die betroffenen Familien bedeutete – auch in Hinblick auf ihre eigenen Familiengeschichten.

Wir möchten Frau Rothschild für die bewegenden Berichte über das Schicksal ihrer vom Nationalsozialismus verfolgten Familie herzlich danken. Solche Begegnungen sind eine wertvolle Ergänzung unseres Unterrichts und fördern das Verständnis für die Vergangenheit. Vielen Dank sagen wir in diesem Zusammenhang Herrn Davary, der den Besuch in Zusammenarbeit mit dem Projekt Jüdisches Leben vorbereitet und organisiert hat. Am Ende der Veranstaltung waren sich alle einige: Die wichtige Arbeit mit Zeit- und Zweitzeugen wollen wir auch in Zukunft fortsetzen.

Zeitzeugengespräch, Zweitzeugengespräch